Fiktive Persönlichkeiten aus dokumentarischem Rohstoff (Dokumentarfilm als Etikettenschwindel)

Am 21. August 2012 habe ich, Mrs Joy Such, meine erste Veröffentlichung gemacht:

Auf dem Forum des ndr; als Reaktion auf einen Jubelartikel über Marten Persiels Pseudodokfilm „This ain´t California“.

Ich bin ja sehr für Manipulation und hasse alles Echte, da stimme ich Sascha Lobo durchaus zu!

Aber sich hinstellen und über einen Dokfilm, der gar keiner ist dann zur Rechtfertigung sagen, daß der ja auch „nicht für den Kopf“ sei und daß es ja nur sowieso nur um „emotionales Geiere“ gehe, das geht gar nicht, möchte ich hier mal sagen.

Über mrsjoysuch

I had my face changed into something completely different when I was young. Today, I´ve become an expert in authenticity. I´m a researcher of dead malls. I specialize in strange encounters with lookalikes and former selfs. I´m also an experienced timetraveller.
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2 Antworten zu Fiktive Persönlichkeiten aus dokumentarischem Rohstoff (Dokumentarfilm als Etikettenschwindel)

  1. „This ain’t California“ :
    Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein
    Ich tue mich immer noch schwer, eine (die richtige?) „Haltung“ zu diesem Film zu finden.
    Ich hatte ja zunächst viel Spaß an dem Film und mir beim Gucken wenig Gedanken über die Echtheit bzw. den Wahrheitsgehalt der Bilder und Töne gemacht.
    Verrückterweise haben insbesondere die Animationsteile dazu geführt, dass ich die Geschichte größtenteils für „wahr“ hielt: Ich glaubte, die anekdotenhaften, nicht belegbaren, durch (kindliche)Erinnerung mystifizierten Teile der Geschichte würden durch die Animationen als solche offenkenntlich gemacht. Aha, dachte ich (Depp) – ok, hier werden jetzt halt Lücken gefüllt durch ein in meinen Augen völlig legitimes „so könnte es gewesen sein“…

    Im Nachhinein war ich dann doch ziemlich entsetzt darüber, wie leichtgläubig ich mich habe verführen bzw. hinters Licht führen lassen. Eigentlich hätte ich es besser wissen müssen, habe mich ja selbst jahrelang „prostituiert“ beim (überdurchschnittlich gut bezahlten) Schnitt diverser Dokusoaps (ich war jung und brauchte das Geld;-) Da war fast alles gefakt und gab es oft -zig Takes, bis der Protagonist endlich den „O-Ton“ so gesagt hatte, wie er vorgegeben war.
    Und zum Dreh der „Homestory“ wurde von der Produktion bestimmt, was es bei der verarmten Familie zu Mittag gibt: Tütenkartoffelpü und Fischstäbchen. Dazu sang dann Whitney Houston „No matter what they take from me, they can’t take away my dignity“… Pfui Teufel aber auch!

    Wenn „This ain’t California“ sich offen „Mockumentary“ oder „Found Footage Film“ genannt hätte, oder dokumentarischer Spielfilm… dann hätte der kluge Zuschauer von vornherein gewusst, wozu er gebeten ist. Aber hätte der das nicht ohnehin schnell erkannt und evtl. trotzdem Spaßan einer toll erzählten, wenn auch nicht in allen Facetten wahren Geschichte gehabt? Kann es sein, dass es in der Debatte am Ende hauptsächlich um den Groll der Verführten/Reingefallenen geht?
    Ich weiß es nicht, und ich bin da nicht so streng: Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein!

    • mrsjoysuch schreibt:

      Hallo liebe Kollegin: Du triffst den Nagel auf den Kopf! Herrlich, die Schilderungen aus der Dokusoap-Küche…
      Und Ja! Ich habe auch schon „Dokumentarmaterial“ gefälscht; will´s auch nicht grundsätzlich verdammen!
      Nur: Ich glaube, daß bei Vorwarnung „Mockumentary“ die dramaturgischen Mängel des Skater-Fakes (immer dieses Lagerfeuer) mehr aufgefallen wären; auch die eigentlich doch eher platte Message (wir Ossis haben nur auf den freien Westen gewartet/ Ostfrauen waren gefügiger/ was ein echter Kerl ist, wird Soldat) wäre evtl unangenehm aufgestoßen.

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