Gábor Bódy beim Special Effects Seminar der dffb im Februar 1985: Der „Advocatus Diaboli“ der Neuen Videotechnologien

„… Ich möchte in dieser Diskussion ein bischen den Advocatus Diaboli spielen,  weil ich diese Grundhaltung gegen die Technik, gegen diese technologische Videoentwicklung nicht richtig finde.

„Digitales Video wird eine vollständige Befreiung der Phantasie bringen. … Das macht möglich, für … jeden einzelnen Bildpunkt Programme auszuarbeiten.

… Eine andere Möglichkeit für Spezielle Effekte, und ein total neuer Weg in dieser Geschichte,  ist die interaktive Video Disc… Da kann der Zuschauer für sich auswählen…, welche Teile er sehen möchte. Auswählen aus einer Unzahl von Möglichkeiten.

… Ich finde das sehr gefährlich, wenn Inhalt mit story gleichgesetzt wird. Aus der Kunstgeschichte wissen wir, daß ein Kunstwerk Inhalt haben kann, ohne daß es eine Geschichte erzählt.

 Die Kinematographie ist eine Art Sprache und Tradition seit den alten Griechen und seit der Renaissance. … Das Wort Kinematographie würde ich  nicht identifizeren mit mit der narrativen Tradition der Kinematographie.

(aus der verschollenen Dokumentation „Special effects | Whitlock : How to make matte-paintings |Seminar in Berlin Februar 1985“, Produktion: Stiftung Deutsche Kinemathek/ dffb  © Friederike Anders, 1985 – als abgefilmter Low-Band-Rohschnitt jetzt auch bei Vimeo)

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„Befreiung der Phantasie“ ? – Einflüsse und Inspirationen des VIDEOLABYRINTH

Wonder Woman
Die Sekretärin Diana Prince befreit ihre Phantasie:  „Wonder Woman“ von Dara Birnbaum, 1978

 

Katalog des European Media Art Festival (EMAF) - Osnabrück, 1. - 11.9.`88
Katalog des European Media Art Festival (EMAF) – Osnabrück, 1. – 11.9.`88

„Die interaktiven Medien und die Befreiung der Phantasie“ : Der Einleitungstext von Ilka Lauchstädt und Martin Potthoff zum Symposium INTERAKTIVE MEDIEN auf dem ersten European Media Art Festival EMAF 1988 rief mit ungetrübtem Optimismus Themen auf, die damals in aller Munde waren. Auch Gábor Bódy hatte sie 1985 an der dffb * vertreten, und uns damit zu Beginn unseres Studiums stark inspiriert.

Ilka und Martin sahen sich auf der Spur vermeintlich  „natürlicher“ Befreiungspotentiale interaktiver Medien: Die Vorstellung, daß die neuen Technologien erstens unaufhaltsam und zweitens Träger unvermutet positiver Eigenschaften seien, half ihnen dabei, eine „natürliche“ Deutungshoheit für sich abzuleiten und beliebige emanzipatorische Lieblingsideen als unabwendbar zu postulieren. Dabei brauchte man sich nur den hoch im Kurs stehenden „Techno-Philosophen“ anzuschließen, die  sich von den entstehenden „telematischen Netzen“ nur das Beste erwarteten.

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