Geistesverwandte aus den 90ern gefunden: Rosalind Brodsky, Zeitreisende

Rosalind Brodsky in her Electronic Time Travelling Costume to rescue her Grandparents from the Holocaust ends up mistakenly on the set of Schindler’s List, Krakow, Poland, 1994.

From an interview with Suzanne Treister:

„I invented Rosalind Brodsky as an alter ego in 1995 and firstly I made her a set of time travelling costumes. The original biography of Brodsky went like this: ‘Rosalind Brodsky, with whom I share Anglo/Eastern European/Jewish roots, was born in London in 1970 and survived until 2058. Her first ‘delusional’ experience of time travel supposedly occurred while she was in the middle of a session with the pyschoanalyst Julia Kristeva in Paris, at the moment she noticed the similarity of Kristeva’s face to the photographic portrait of her Polish-Jewish grandmother who had been murdered in the Holocaust. By 1995 Brodsky is a delusional time traveller who believes herself to be working in London at the Institute of Militronics and Advanced Time Interventionality (IMATI) in the 21st century. IMATI is a controversial government funded organisation which develops equipment and carries out time travel research projects whose results are for use primarily by the military and other government research organisations. Established in 2004 its mission is to carry out interventional historical, anthropological and scientific research through means of time travel.“

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Resurrection Lab: Wiederauferstehung für interaktive Medienkunst der 90er Jahre

Foto: Jon Ippolito

Das Resurrection Lab am „imal“ center for digital art and culture in Brüssel will sich zwei Jahre lang der Konservierung digitaler Kunst mittels Emulation widmen

“ The project will focus on the use of emulation, an efficient approach that consists in simulating old hardware platform in a software way. This technique provides a promising basis for the development of a strategy for the preservation of digital creations and their future public access“

Und wie wäre es mit einem analog-digitalen Hybrid aus den späten 80ern –> how about resurrecting VIDEOLABYRINTH? 

 

Carl-Ludwig Rettinger, Produzent

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Carl-Ludwig Rettinger und Friederike Anders, ca. 1988

In den 80er Jahren, als er sich für interaktives Fernsehen interessierte und an der dffb unterrichtete, war Carl-Ludwig Rettinger Redakteur des Kleinen Fernsehspiel des ZDF. Dort setzte er sich für neue Formen und neue Inhalte ein, und führte als Bewerbungsformat für Autoren und Autorinnen – statt langwieriger Texte – auch das Video-Exposé ein. So brachte er die „Berlin School of Video“ von der dffb ins Fernsehen, und verhalf anschliessend sogar amerikanischen Experimantalfilmkünstlern wie Bill Viola zu einem deutschen Sendeplatz. Durch die Empfehlung von Gusztáv Hámos und Friederike Anders lernte Carl-Ludwig auch David Blair kennen, und koproduzierte 1990 dessen legendären Film „Wax oder die Erfindung des Fernsehens durch die Bienen“. Dieses hyperkomplexe Werk wurde anschließend als erster Film der Welt(!) schon ab 1993 für das – damals noch extrem langsame – Internet adaptiert (hier eine ratlose deutsche Kritik aus der ZEIT, von 1995)

Rekonstruktion des VIDEOLABYRINTH: Original-Videobänder neu digitalisiert! – Beispiel 2

#Videolabyrinth Reko dank @transmediale

DER KAMERAMANN 2-87 | Artikel von Martin Potthoff über „Videolabyrinth: DFFB-Forschungsprojekt zu interaktiven Medien“

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Videolabyrinth: DFFB-Forschungsprojekt zu interaktiven Medien

An der Deutschen Film- und Fernsehakademie, einer vom Bund und vom Land Berlin getragenen Ausbildungsstätte für Regisseure und Kameraleute, findet im Studienjahr 1986/87 unter der Leitung von Martin Potthoff (DFFB) und Carl-Ludwig Rettinger (ZDF) ein Projekt zur Dramaturgie Interaktiver Medien statt.

Diese Medien, die dem Benutzer den gezielten computergesteuerten Eingriff in den Ablauf einer AV-Darbietung gestatten, finden zur Zeit fast ausschließlich in der Weiterbildung und Verkaufsförderung Anwendung. Ziel des Projekts an der DFFB ist es, die neue Präsentationsform auf ihre Einsetzbarkeit im filmischen Bereich (Erzählung, Spielfilm…) zu überprüfen, die dramaturgischen Möglichkeiten auszuloten und die zur Verfügung stehenden Arbeitsmittel weiterzuentwickeln.

Die Vorproduktion und der Schnitt der Beiträge erfolgen auf 3/4″ High Band in den Video-Studios der DFFB. Das zur Programmierung der interaktiven Ebene eingesetzte System basiert auf einem IBM-Computer (AT) und nutzt das Mavis-Autorensystem (Video-Interface und Software) der Firma Intravideo.

Geplant ist die Produktion einer Bildplatte‚ die die Möglichkeiten des Mediums unter verschiedenen formal/inhaltlich bestimmten Gesichtspunkten dokumentiert.

In der Zusammenarbeit mit den Firmen, die das Projekt unterstützen, soll erreicht werden, daß die künstlerisch-filmemacherischen Anforderungen an das neue Medium In die Weiterentwicklung der Produktions- und Präsentationssysteme einfließen.

Entwicklungsziele

im Bereich Hardware:

1. Handhabbarer Zugriff durch neue Eingabetechniken (Mouse, Touch-Screen/Anwahl von Bilddetails). 2. Steuerung mehrerer Zuspielmaschinen.

Im Bereich Software:

1. Unterstützung durch KI-Programme („künstlerische“ Intelligenz). 2.) Einbindung von Schnittlisten-Management in das Autorensystem.

Ausgangslage

Interaktive Systeme gestatten dem Zuschauer den Eingriff und die Steuerung einer audiovisuellen Darbietung: Er kann zum Mitspieler in einer Geschichte werden, indem er den Handlungsablauf mitbestimmt, er kann sich in Labyrinthen bewegen, in elektronischen Katalogen blättern oder Lernprogramme durcharbeiten.

Ein interaktives System besteht grundsätzlich aus einem Steuersystem (Computer), der den Zugriff auf ein elektronisches Speichermedium organisiert.

Als audiovisuelles Speichermedium kommen Videoband und Bildplatte In Frage. Letztere gestattet extrem kurze Zugriffszeiten (unter 2 sec) und damit sehr flexible Programmgestaltung.

Das Steuersystem, in der Regel ein Personal Computer, hat die Aufgabe, entsprechend der Eingabe des Benutzers den Zugriff auf den Speicher zu realisieren, d.h. die Bild- und Tonsequenzen in der gewünschten Reihenfolge abzurufen.

Der Computer ist über ein Interface (Adapter) in der Lage, das oder die Wiedergabegerät(e) in allen Funktionen zu steuern (Umspulen, Wiedergabe, Pause).

In der Regel ist ein interaktives System so gestaltet, daß der Computer über denselben oder einen zweiten Bildschirm Text und Graphik ausgeben kann, eventuell sogar in Überlagerung mit dem Bild von Band/Platte. Der Benutzer gibt seine Antworten/Befehle über die Tastatur des Computers In das System ein, in manchen Fällen arbeitet man mit anderen Eingabemedien (reduziertes Tastenfeld, berührungsempfindlicher Bildschirm -Touch Screen – oder Maus).

Bisher wurden nur geschlossene Systeme beschrieben — ein offenes System gestattet es dem Nutzer, selber Text/Bild/Ton einzugeben und in die logische Struktur einzubinden. Offene Systeme sind zurzeit nur auf der Textebene technisch realisiert — denkbar, wünschbar für Bild und Ton.

Der wesentliche Punkt eines interaktiven Projekts ist das Steuerungsprogramm, welches die logischen Verknüpfungen zwischen den einzelnen Bild-/Tonsequenzen (Szenen, Bilder, Schriften) und den Benutzereingaben beschreibt und danach den Ablauf der Wiedergabe steuert.

Zur Erstellung dieses Steuerungsprogramms dienen sogenannte Autorensysteme. Dies sind Computerprogramme, mit denen sich Bild-/Tonsequenzen und ihre logischen Verknüpfungen untereinander festlegen lassen.

Ein Autorensystem ermöglicht auch die Erstellung von Textseiten und Graphiken und das Testen von Programmteilen.

Kontakt: Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin, Stichwort „Videolabyrinth“, Pommernallee 1, 1000 Berlin 19

VLAB auf dem Closing Weekend der transmediale – 3. + 4. 3. 2017

Für das dreissigjährige Jubiläum der transmediale entdeckte Kristoffer Gansing das #VIDEOLABYRINTH:

Social Media ist heute das Gegenteil von dem, was auf Festivals wie der Transmediale gefeiert wurde. Man denke nur an das (Video-)Labyrinth, ein Projekt aus dem Jahr 1988 von Friederike Anders, Ilka Lauchstädt und Mari Cantu, in dem User entscheiden konnten, welchen Weg sie einschlagen konnten und den Ausgang der Geschichte mitbestimmten. Es ging um nicht-lineare Erzählweisen. (Gansing im Interview mit ART magazin)

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Während des Closing Weekend  wurden alle drei Spiel-Filme des Videolabyrinth museal präsentiert: Die frisch digitalisierten Original-Video-Szenenkataloge liefen als Endlosloops auf auf drei klasischen Barco-Monitoren, dazu waren die drei handgezeichneten Flußdiagramme unter Glas zu sehen.

Auf dem Podiumsgespräch mit Kristoffer Gansing – in English (!) – wurde dann u.A. die Frage erörtert, ob die drei Videolabyrinth-Autorinnen* 1988 eigentlich GEEKS waren – schließlich hatten sie sich ALS FRAUEN unter die Gamer- und Programmiererszene gewagt?

Were we GEEKS? Well sure! Except we never thought about it, then. We were more concerned with being misfits at German Filmacademy Berlin dffb, because instead of working with celluloid, we preferred electromagnetic media, and instead of cinema, we opted for gaming… or so it seemed.

*Ilka Lauchstädt †, Friederike Anders, Mari Cantu

Historic Perspective: VLAB Präsentation auf der Konferenz des EMAF Nr. 30, am 29.4. 2017 in Osnabrück

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VLAB on stage at EMAF17

Besonders ergiebig ist die Ankündigung des EMAF Programmflyers nicht – aber sie haben eine hübsche Art, die 8 in 1988 auf den Kopf zu stellen. Der EMAF-Newsletter, in dem die Konferenz angekündigt wird, verrät auch nicht mehr: „Zum 30. Festival stellt das EMAF außerdem zwei ausgewählte, historische Projekte aus dem Programm des Festivals von 1988 vor, die wegweisend für die weitere Entwicklung der Medien waren. Eines davon ist „Van Gogh TV/ Ponton“.“

Und das Andere? – – – Ist #Videolabyrinth!

http://www.emaf.de/de/KonferenzTimetable.html